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Gemeinsam gegen das Bienensterben

17.07.2017 –

Auf der Suche nach Nektar: Biene im Botanischen Garten der Universität Oldenburg. Foto: Nele Claus

Zwischen Bienenstöcken und Insektenhotel: Prof. Dr. Dirk Albach (r.), Direktor des Botanischen Gartens, und Jan-Willem van Kruyssen, Projekt-Koordinator und geschäftsführender Produzent der Kulturhauptstadt Leeuwarden 2018. Foto: Nele Claus

Ein deutsch-niederländisches Kooperationsprojekt will für die Bedrohung von Honig- und Wildbienen sensibilisieren. Insektenhotels an Schulen, eine interaktive App und weitere Projekte laden die Bürger ein, selbst aktiv zu werden.
In unserer Kulturlandschaft spielen Honig- und Wildbienen eine wichtige Rolle: Indem sie Pflanzen bestäuben, sichern sie unsere Versorgung mit Obst und Gemüse und tragen maßgeblich zur biologischen Vielfalt bei. „Etwa 70% der Nutzpflanzen werden durch Bienen bestäubt. Vor allem der Apfel ist auf die Bestäubung angewiesen, aber auch andere Pflanzen, wie zum Beispiel der Raps“, erklärt Prof. Dr. Dirk Albach, Leiter des Botanischen Gartens der Universität. Seit einigen Jahren beobachten Forscher jedoch ein erhöhtes Bienensterben. Die Gründe sind vielfältig.
Das deutsch-niederländische Kooperationsprojekt B-R(H)APSODIE verfolgt das Ziel, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit rund um Bienen und Biodiversität zu verstärken und die Öffentlichkeit für die Bedrohung der Bestäuber zu sensibilisieren. Neben dem Botanischen Garten beteiligen sich auf deutscher Seite die Stiftung Ökowerk Emden und der Förderverein Imme Bourtanger Moor e.V. sowie aus den Niederlanden die Gemeinde Achtkarspelen und die Hogeschool Van Hall Larenstein in Leeuwarden an der Kooperation. Gefördert wird das Vorhaben bis Ende 2020 mit rund 850.000 Euro von dem Programm INTERREG Deutschland-Nederland der Europäischen Union.
Daten sammeln mit Hilfe der Bürger
Der Titel B-R(H)APSODIE verrät bereits viel über das Projekt: Das „B“ klingt in seiner englischen Aussprache wie „bee“ – das englische Wort für Biene. Die Rhapsodie als musikalische Gattung zeichnet sich durch abwechslungsreiche Themen aus –  ebenso wie das Projekt, das mit vielen Aktivitäten Menschen aller Altersstufen in der Ems-Dollart-Region (EDR) für den Schutz von Bienen begeistern will. „Wir wollen zeigen, was man aktiv gegen das Bienensterben tun kann“, beschreibt Albach die Intention des Projekts. Das Vorhaben ist der Startpunkt einer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zwischen Forschungsinstituten, Studiengängen und Zentren für Naturerziehung in der EDR. Um dem Bienensterben auf den Grund zu gehen, wollen die beteiligten Institutionen neben den öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten wissenschaftliche Daten über Bienen, Landnutzung und Klima sammeln und austauschen und so die internationale Bienenforschung unterstützen. „In den Niederlanden wurden in den vergangenen Jahren bereits umfangreiche Daten gesammelt. Nun gilt es, auch in Deutschland die Hotspots des Phänomens zu identifizieren. Wir arbeiten dabei auch intensiv mit Imkern zusammen, um herauszufinden, welche Faktoren das Bienensterben besonders beeinflussen“, so Albach.
Um möglichst viele Menschen auf das Projekt aufmerksam zu machen, gibt es Veranstaltungen im Kontext des Kulturprogramms der Europäischen Kulturhauptstadt 2018 Leeuwarden-Friesland – darunter auch im Botanischen Garten. Ein Beispiel: Schulen und Musikstudierende sollen auf beiden Seiten der Grenze eine Komposition entwickeln – eine B-R(h)apsodie – und führen diese im Juni 2018 gemeinsam mit lokalen Musikern simultan an mehreren Orten auf. Die Geräusche für diese „Musik der Bienen“ zu sammeln, ist Aufgabe eines zweiten Teilprojekts: Mit der geplanten App „Inspector B“ können Kinder und andere Interessierte Bienen bestimmen, ihre Geräusche aufnehmen und sie auf der Online-Plattform Soundcloud.com hochladen.
Kinder als Bienenforscher
Auch in den weiteren Oldenburger Teilprojekten sind Bürger gefragt, aktiv mitzuwirken: An 50 Schulen werden Forscher Nisthilfen für Hummeln verteilen, deren Erfolg sie gemeinsam mit den Schülern überprüfen. „Die Kinder und Jugendlichen bekommen jeweils eigene Hummelvölker. Die Hochschule in Leeuwarden konstruiert dafür eine intelligente Hummelkiste: Infrarotrezeptoren am Eingang messen, wie viele Hummeln ein- und ausfliegen. Außerdem ist das Hummelvolk auf einer Waage gebettet, so dass die Schüler Änderungen in der Größe des Volks über das Gewicht ermitteln können“, erklärt Jan-Willem van Kruyssen, Projekt-Koordinator und geschäftsführender Produzent der Kulturhauptstadt Leeuwarden 2018. Zudem legen die Wissenschaftler Modelllebensräume für Bienen an. „Es reicht nicht, Insektenhotels aufzustellen, es braucht auch entsprechende Lebensräume mit den richtigen Pflanzen, so dass die Bienen genug Nektar und Pollen finden“, sagt van Kruyssen.
In ihren Besucherzentren installieren die beteiligten Institutionen Touchscreens mit Mikrofonen und Kameras. Durch diese „Fenster zum Nachbarn“ können Besucher auf beiden Seiten der Grenze miteinander in Verbindung treten und Beobachtungen zu Bienen austauschen. Auch Schüler sollen miteinander in Kontakt kommen. „Die Besucher sollen sich miteinander verbunden fühlen“, erklärt Dirk Albach. Denn das ist die Hauptidee des Projekts: Mit möglichst vielen Menschen gemeinsam gegen das Bienensterben zu arbeiten.

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